KTB München Gebäude

Doppelt heizt besser

 

 

KTB in Kaufbeuren produziert und veredelt Kunststoffteile. Ein effizientes Buderus Heizsystem mit zwei Blockheizkraftwerken stellt die dafür nötige Energie bereit.

Wenn im Auto verchromte Schalter, Knöpfe und Zierleisten glänzen, steckt womöglich die Kunststofftechnik Bernt GmbH (KTB) in Kaufbeuren dahinter. Denn in dem Unternehmen im bayerischen Ostallgäu tragen 300 Mitarbeiter unter anderem dazu bei, dass Autofahrer einen hochwertigen Eindruck von ihrem Fahrzeuginneren erhalten: KTB fertigt Spritzgussteile aus Kunststoff und veredelt auf Wunsch deren Oberfläche in den firmeneigenen Galvanikanlagen mit verschiedenen Metallschichten für Innen- und Außenanwendungen. Verschiedene Mattoberflächen gehören dabei genauso zum Produktionsspektrum wie komplexe Zwei-Komponententeile. Abnehmer sind außer den Automobilherstellern auch Unternehmen aus dem Haushaltsgeräte- sowie Sanitärbereich. Die KTB GmbH nennt eine hochmoderne Produktion im Gewerbepark Kaufbeuren ihr Eigen. Zwei Galvanikhallen mit jeweils mehr als 3.000 Quadratmetern und weitere Hallen mit gut 5.600 Quadratmeter Nutzfläche bieten viel Platz für Maschinen, Logistik und Büros. Um die Energiekosten deutlich zu senken, ließ KTB die Heiztechnik ausbauen und auf den neuesten Stand bringen. Jetzt bildet ein Buderus Heizsystem mit zwei Blockheizkraftwerken die Basis für einen zuverlässigen Herstellungs- und Veredelungsablauf der Kunststoffteile – denn ohne Wärme und Strom keine Verchromung.

 

Blockheizkraftwerke und Pufferspeicher bei KTB

Abbildung: Doppelt hält besser: Gleich zwei Blockheizkraftwerke und zwei 10.000-Liter-Pufferspeicher stellen die Strom- und Wärmeversorgung bei KTB sicher.

 

 


 

 

Genau geplant

 

Für die Buderus Experten der Niederlassung München und die Heizungsinstallateure war es ein besonderes Projekt. Thomas Fust, Außendienstmitarbeiter bei der Buderus Niederlassung München, erinnert sich an eine ausführliche Vorbereitung: „Eine Doppel-BHKW-Anlage hat man nicht jeden Tag. Vorplanung, richtige Auslegung, Terminabsprache und Disposition waren in dem Fall besonders wichtig.“ Hintergrund war, dass KTB die Produktion in mehreren Bauabschnitten erweitert hat – die Heiztechnik war somit ebenfalls schrittweise an die jeweiligen Bedingungen anzupassen. „Unser Heizungsfachpartner, die Signum Industrie & Gebäudetechnik GmbH aus Haar bei München, hat alles genau terminiert und Teile der späteren Komplettanlage vorab montiert“, sagt Guido Frei, Leiter der Buderus Niederlassung München. Dabei kam dem Fachpartner zugute, dass sämtliche Komponenten des Systemexperten Buderus aufeinander abgestimmt sind.

 

 

Kraft-Wärme-Kopplung senkt Kosten

Buderus Loganova EN140

„Ein Ziel der Heizungsmodernisierung war es, den bestehenden Niedertemperatur-Gasheizkessel mit einer Leistung von rund 1,2 Megawatt zu entlasten“, sagt Dirk Holtze, Technischer Berater im Außendienst bei der Buderus Niederlassung München. Der Kessel hat ursprünglich die gesamte Produktion sowie den Bürobereich über eine hydraulische Weiche und einen Heizungsverteiler mit Wärme für Warmwasser und Heizung versorgt. Strom wurde komplett vom Energieversorger bezogen, entsprechend hoch fiel die jährliche Energiekostenabrechnung aus.

Mittels moderner Kraft-Wärme-Kopplung wird jetzt zugleich Strom und Wärme erzeugt: Installiert wurden zwei erdgasbetriebene Buderus BHKW-Kompaktmodule Loganova EN140 mit einer elektrischen Leistung von je 140 kW und einer thermischen Leistung von je 212 kW. Zunächst hat der Heizungsfachbetrieb nur ein BHKW installiert – das zweite sollte folgen, sobald die neue Produktionshalle fertiggestellt war.

 

 

Die Heizungsmodernisierung durfte den laufenden Betrieb nicht beeinträchtigen: „Uns war es wichtig, dass die Produktion unterbrechungsfrei weiterläuft und das bedeutete eine konstante Wärmeversorgung mit mindestens 75 Grad C, um den Galvanisierungsprozess nicht zu gefährden“, erklärt Dr.-Ing. Carsten Brockmann, Geschäftsführer der KTB. Das ließ sich durch den vorhandenen Spitzenlastkessel, der schon für den ersten Bauabschnitt installiert wurde, sicherstellen.


Um für die spätere Erweiterung der Heiztechnik mit dem zweiten BHKW optimal gerüstet zu sein, hat Signum Industrie & Gebäudetechnik im Aufstellraum alles entsprechend vorbereitet – etwa Druckhaltung, Be- und Entlüftung sowie Abgasabführung. Zudem wurden die Zubringerleitungen vom BHKW-Raum zum Heizungsraum mit dem Bestandskessel gleich entsprechend groß dimensioniert. Nachdem das erste BHKW etwa elf Monate in Betrieb war, kam schließlich das zweite Modul hinzu. Für beide Blockheizkraftwerke wurden zusätzliche Komponenten installiert, beispielsweise für eine höhere Vor- und Rücklauftemperatur von 93/80 Grad C. Diese hohen Temperaturen wurden zwingend für den Galvanisierungsprozess benötigt.

 

 

Infografik zum Aufbau eines Buderus Kompaktmoduls Loganova EN140

Abbildung: Blick ins Buderus BHKW-Kompaktmodul Loganova EN140. [1] Sicherheits-Gasregelstrecke, [2] Lambdaregler (Erdgas), [3] Gasmotor, [4] Sicherheitsventil (Heizungsanlage), [5] Lambdasonde, [6] Abgaswärmetauscher, [7] Generator, [8] Schaltschrank mit Bedienelementen.

 

 

Buderus Abgasanlage bei KTB

Abbildung: Richtig dimensioniert: BHKW-Abgasanlage mit Leitungen durch das Schrägdach.

 

 

Kompakte Rahmenkonstruktion

 

KTB hat mit den BHKWs auf eine zuverlässige und kostensparende Lösung zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung gesetzt: Im Vergleich zu einer getrennten Energieerzeugung in Kraftwerk und Heizkessel sparen Blockheizkraftwerke bei gleicher Leistung nahezu 40 Prozent der erforderlichen Primärenergie. Das Buderus BHKW arbeitet mit seinem luftgekühlten Synchrongenerator äußerst effizient, der Gesamtwirkungsgrad im Netzparallelbetrieb beträgt 91,7 Prozent, der elektrische Wirkungsgrad 36,5 und der Wärmewirkungsgrad 55,2 Prozent. Von Vorteil war nicht zuletzt die kompakte Rahmenkonstruktion des BHKW-Moduls, das in seinem Gehäuse den Motor inklusive aller Anbauteile, Generator und Wärmetauscher sowie sämtliche Kühlkreisläufe verbirgt. Der Schaltschrank mit Bedienelementen ist vorne angebaut. Die schmale Bauform war ideal für die Gegebenheiten bei KTB, zumal noch zwei große 10.000-Liter-BHKW- und System-Pufferspeicher das System im Aufstellraum ergänzten. Sie dienen dazu, Wärmeangebot und -bedarf auszugleichen und sind in Reihe geschaltet.

Die BHKW-Module werden gestartet, wenn die Temperatur am Fühler (Abbildung 7, FS1) im ersten Speicher die eingestellte Einschalttemperatur von 70 Grad C unterschreitet. Sie werden abgeschaltet, wenn im zweiten Speicher (Abbildung 7, Fühler FS2) die eingestellte Abschalttemperatur von 68 Grad C oder am BHKW-Zusatzfühler (Abbildung 7, FZB) die Rücklauftemperatur von 70 Grad C überschritten wird. Dabei gilt jedoch: Je weniger BHKW-Starts, umso besser. Die Planer haben das neue Heizsystem deshalb auf Wirtschaftlichkeit optimiert, wie Guido Frei erklärt: „Wir haben die Blockheizkraftwerke in Bezug auf die Gesamtheizlast der Anlage auf die kleinste Variante ausgelegt. So stellen wir lange BHKW-Laufzeiten sicher, was die Wirtschaftlichkeit der Anlage erhöht.“ Denn je länger die BHKWs unterbrechungsfrei in Betrieb sind, umso mehr Strom wird produziert, der von KTB direkt verbraucht oder als Überschuss ins öffentliche Netz eingespeist und vergütet wird. Pro Jahr sind rund 7.000 Betriebsstunden je Blockheizkraftwerk geplant. Der bestehende Niedertemperaturkessel wird jetzt deutlich entlastet, er deckt nur noch Bedarfsspitzen ab.

 

 

Pufferspeicher und Blockheizkraftwerke von Buderus im Einsatz

Abbildung: 10.000-Liter-BHKW- und System-Pufferspeicher (links), Logafix Ausdehnungsgefäß BU-H 1000 l (vorne) sowie BHKW-Kompaktmodul Loganova EN140 (rechts).

 

 

 

 

Das Planungsteam hinter dem Heizsystem KTB München

Abbildungg: Solide Planungsleistung (v.l.): Thomas Fust, Außendienst Buderus Niederlassung München, Guido Frei, Leiter der Münchner Niederlassung, Dr.-Ing. Carsten Brockmann, Geschäftsführer von Kunststofftechnik Bernt, Dirk Holtze, Technischer Berater im Außendienst, ebenfalls Buderus Niederlassung München.

 

 

 

 

Carsten Brockmann am Touchscreen des Buderus Blockheizkraftwerks

Abbildung: Dr.-Ing. Carsten Brockmann hat am Touchscreen-Display des BHKW-Moduls Zugriff auf alle wichtigen Daten.

 

 

 

 

Fazit

 

Mit der Doppel-BHKW-Anlage ist KTB gerüstet für sämtliche Anforderungen seiner Produktion an eine zuverlässige Wärme- und Stromversorgung – und das bei maximaler Effizienz. Die Modernisierung des Heizsystems schlug sich bereits nach kurzer Laufzeit in deutlich niedrigeren Verbrauchswerten und Energiekosten nieder. So konnte das Unternehmen von Januar bis Dezember 2016 die Energiekosten im Verhältnis zum Umsatz konstant halten, obwohl eine neue Galvanikanlage und mehrere Großmaschinen im Spritzguss in Betrieb genommen wurden. Mithilfe der BHKWs deckt KTB nun mehr als 20 Prozent seines Strombedarfs durch Eigenproduktion. Das ist eine nachhaltige Investition in ein kostensparendes und umweltfreundlicheres Heizsystem.

 

Kunststofftechnik Bernt GmbH Kaufbeuren
Objekt Produktionshalle
Ort Kaufbeuren
Baujahr 2016
Gebäudeeinheiten Zwei Produktionshallen inklusive Logistikbereich und Büroflächen
Nutzfläche insgesamt 6.800 Quadratmeter
Modernisierungsmaßnahme Neues Buderus Heizsystem:
2 BHKW Loganova EN140
2 10.000-Liter-BHKW- und System-Pufferspeicher
(übernommener Bestand:
1 Niedertemperatur Gasheizkessel)

Abbildung: Daten zur Heiztechnikmodernisierung bei KTB.

 

Buderus BHKW-Kompaktmodul Loganova EN140
Elektrische Leistung (kW) 140
Thermische Leistung (kW) 212
Gesamteffizienz (%) 91,7
Länge (mm) 3.730
Breite (mm) 1.160
Höhe (mm) 1.930
Leergewicht (kg) 3.900

Abbildung: Daten zum Buderus BHKW-Kompaktmodul Loganova EN140.

5 / 5 bei 2 Bewertungen