Die hat Feuer

Christiane Wodtke neben einem Kaminofen

Auf der Kommode liegt „Der Fürst“ von Macchiavelli. Am Tisch sitzt die „Fürstin“ von wodtke. Das philosophische Standardwerk inspiriere sie, sagt Christiane Wodtke, lobe der Autor doch den, der die Macht nicht erbt, sondern der sie sich durch eigene Leistung verdient. Wodtke ist Geschäftsführerin des gleichnamigen Herstellers von Kaminöfen, Pelletöfen und elektrischen Wärmesystemen mit Sitz in Hirschau bei Tübingen. Und wie der Fürst in „Il Principe“ hat sich Christiane Wodtke die Unternehmensführung schrittweise erarbeitet.

Geboren in Trier, heiratete Christiane Wodtke als 21-jährige Studentin in einen kleinen Handwerksbetrieb für Heizungs- und Ofenbau in Tübingen ein. In den 1980er Jahren übernahm Wodtke dann die alleinige Führung des Unternehmens, bis heute ist sie als geschäftsführende Gesellschafterin tätig. Unter ihrer Leitung entwickelte sich der Betrieb zu einem führenden Hersteller von Pellet- und Kaminöfen. „Ich bin zufällig zu diesem Beruf gekommen, heute ist er meine Berufung“, sagt Christiane Wodtke. „Im Laufe der Zeit habe ich Gefallen an meinen Aufgaben gefunden: Ich konnte selbstständig sein, Verantwortung übernehmen, gestalten und entwickeln.“ Schließlich interessierte sie sich schon von klein auf für Technik. „Ich habe schon immer gerne geschraubt und ich war immer auf der Suche nach einer technischen Innovation.“

 

Eine zündende Idee

 

Die fand sie dann auch, und zwar 1989. Die Entscheidung, in das Pellet-Geschäft einzusteigen, war buchstäblich eine zündende Idee. Eine, die in Deutschland bis dato keiner hatte. In Europa kannte man Pellets zur Verbrennung überwiegend in Kraftwerken oder aus der Futtermittel-Industrie und nicht als CO2-neutralen Brennstoff für energie-effizientes und schadstoffarmes Heizen. Beiratsvorsitzender und Mitgesellschafter von wodtke, Dr. Hannes Kneissl, erfahren in der Kraftwerks-Technik, brachte sie darauf.

 

Wirbelschichtverbrennung, kontinuierliche Verbrennung, ein natürlicher Brennstoff: „Die Technik hat mir sofort eingeleuchtet“, sagt Christiane Wodtke. 1991 präsentierte die Firma ihren ersten Pelletofen auf der ISH. Und da brauchte es viel, dass die Besucher die kleinen Pellets nicht für Messehäppchen hielten. „Das war einfach etwas vollkommen Neues“, sagt die Unternehmerin heute.

 

Die darauffolgenden Jahre waren geprägt von dieser Neuheit und allem, was sie mit sich brachte. Das war nicht immer nur  einfach, erzählt die Pellet-Pionierin aus Süddeutschland. „Ich habe das anfangs stark unterschätzt. In Deutschland gab es bis dato keine Zulassung für Holzpellets als Brennstoff für Kleinfeuerungsanlagen. Das war eine schier unüberwindbare Hürde.“ Christiane Wodtke musste sich entscheiden: Aufhören oder weitermachen? Sie machte weiter. Die Firma erhielt zunächst Ausnahmezulassungen für den Vertrieb der ersten Pelletöfen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Heute können sich andere Firmen bei wodtke für die Schaffung der rechtlichen Voraussetzung für Holzpellets in Deutschland bedanken: 1996 wurde der Brennstoff mitInkrafttreten der Bundes-Immissionsschutzverordnung zugelassen.

 

Christiane Wodtkes Bemühungen wurden vielfach ausgezeichnet: 1995 erhielt die Firma den Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen, weitere Förder- und Designpreise folgten. Auf ihre Entwicklung ist die Unternehmerin stolz. Heute ist die Firma dreigleisig unterwegs: Kaminöfen, Pelletöfen, Elektrowärme – wobei die Pellet-Technik nach wie vor das Steckenpferd ist. „Da hängt mein Herz dran, da habe ich viel Leidenschaft investiert.“

 

Charmant und aufmerksam

 

Christiane Wodtke, braunes Haar, leuchtend blaue Augen, ist eine gute Erzählerin, eine charmante und aufmerksame Frau, die zuhört und der man zuhört. Das war auch für den Erfolg ihrer Firma wichtig, denn sie pflegt gute Kontakte in alle Richtungen. Politiker für ihre Pellet-Idee gewinnen? Kein Problem. Auch große Handelspartner wie Buderus konnte sie überzeugen. Seit 22 Jahren arbeiten Wodtke und Buderus zusammen. Eine Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren. „Unser Produkt ist ja immer nur Teil eines ganzen Heizsystems. Wenn man etwas Gutes entwickelt, aber es nicht unter die Leute bringt, was nutzt es dann?

 

Buderus hat einen großen Anteil daran, dass wir die Pellet-Technik im Markt etablieren konnten. Ich bin sehr dankbar für diese langjährige und vertrauensvolle Partnerschaft.“

 

Hinter dem Hauptgebäude steht ein futuristischer, grauer Neubau. Beheizt wird der rund 1 000 Quadratmeter große Bau von zwei wodtke Pelletöfen „Ivo.smart“. Im Erdgeschoss, im „Labor“, wie Christiane Wodtke es nennt, arbeiten Entwickler und Konstrukteure an den Neuheiten aus dem Hause wodtke. In einem Raum steht Karl, der sprechende Ofen, der die aktuelle Temperatur mitteilt oder sich beschwert, wenn die Pelletklappe offen ist. „Wir wollen immer ein Stück voraus sein“, sagt Christiane Wodtke. Zunehmend würden digitale Lösungen gefragt und auch das Thema Elektrowärme sei im Kommen. Ein Jahr oder länger kann es dauern, bis aus einer neuen Idee ein fertiges Produkt entsteht.

 

Fokus auf Design

 

Vor allem dem Design hat Christiane Wodtke sich verschrieben. Sie legt Wert auf Details. Gerade Linien, hochwertige Materialien, Swarowski-Kristall im Ofengriff: „Schöne Öfen machen, schöne Öfen mitgestalten. Das liegt mir einfach“, sagt sie. „Aber die technische Innovation ist für mich die Grundlage. Wenn wir eine Filtertechnik entwickeln, dann bringt die nicht nur etwas für die Umwelt, sie soll dabei auch gut aussehen. Das ist immer mein Ziel, Qualität, Technik und Design sinnvoll zu verbinden. Von der Pelletofen-Technik über das Heizen mit Stückholz bis hin zu Elektrowärme – in all diesen Bereichen lässt sich das verwirklichen.“

 

Im Showroom sorgen vor allem die Kaminöfen für Wohnzimmeratmosphäre. „Kaminfeuer hat für mich einen emotionalen Wert. Gerade in unserer digitalen Welt ist das einfach Lebensqualität: Setz Dich vor ein Feuer und Du fühlst Dich wohler. Man kann es intelligent machen, man kann und soll die Technik immer verbessern, aber dabei sollte man immer auch realistisch bleiben“, sagt Wodtke. Auf die Kombination der Heiztechnologien komme es an.

 

Firma und ihre Weiterentwicklung, das sei ihre Lebensaufgabe. Dass nach einer Gesetzesänderung Frauen in Deutschland erst seit 1977 ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns arbeiten dürfen, habe sie erst kürzlich gelesen. „Damals habe ich das gar nicht gewusst und das auch nie so empfunden.“ Die Tatsache, dass sie als Frau an der Spitze eines erfolgreichen, international agierenden Unternehmens steht, sei nie Thema gewesen – weder für sie, noch für ihre Geschäftspartner. Wer Christiane Wodtke kennenlernt, der glaubt ihr das auch. „Frauen müssen noch selbstsicherer werden. Vor allem in unserer Branche und den Handwerksbetrieben. Frauen können das schaffen.“ Daran lässt Christiane Wodtke keinen Zweifel.

 

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